Semantische Frames und grammatische Konstruktionen im Sprachvergleich

Forschungsvorhaben

Das Projekt hat zum Ziel, auf Basis von empirischen deutsch-brasilianisch-portugiesischen Daten die kontrastiv-linguistischen, translationswissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen zu schaffen, um sprachvergleichende Analysen auf Basis von Frames, d.h. miteinander verbundene Konzepte, und Konstruktionen, d.h. Form-Bedeutungspaare unterschiedlichen Abstraktionsgrades, durchzuführen.

In den letzten Jahren sind für verschiedene Sprachen (Englisch, Schwedisch, Brasilianisches Portugiesisch, Japanisch, Deutsch) linguistische Repositorien zur systematischen Beschreibung von lexikalischen und grammatischen Strukturen einer Sprache entstanden. Der Prototyp ist das Berkeley FrameNet, eine Datenbank von Frames fürs Englische. In jüngster Zeit werden analog dazu so genannte Konstruktika entwickelt, d.h. strukturierte Datenbanken empirisch erfasster grammatischer Konstruktionen, in der sprachliche Besonderheiten einzelner Konstruktionen wie auch Beziehungen zu benachbarten Konstruktionen dokumentiert werden. Obwohl es bereits einige Untersuchungen zu sprach- und kulturbedingten Abweichungen von nicht-englischsprachigen FrameNets und Konstruktika gibt, bleiben viele methodologische Grundlagen im Zusammenhang mit Mehrsprachigkeit und FrameNets bzw. Konstruktika bislang unbeantwortet.

In diesem Projekt sollen die methodischen Fragen aus drei Perspektiven angegangen werden, die einander ergänzen. Aus der kontrastiven Perspektive werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Frames und Konstruktionen beleuchtet. Die Ergebnisse dieser Analysen informieren die translationswissenschaftliche Perspektive, die die Wechselwirkung von Frames und Konstruktionen im Sprachkontakt untersucht. Auf Basis dieser beiden Perspektiven können technische Anforderungen formuliert und Standards für die Arbeit mit multilingualen Daten im Zusammenhang mit Frames und Konstruktionen entwickelt werden.

Die drei teilnehmenden Standorte – Düsseldorf, Leipzig und Juiz de Fora (Brasilien) – stehen jeweils für einen der drei Schwerpunkte, die Projektverantwortlichen sind aber auf den jeweils anderen Gebieten ausreichend bewandert, um beste Anschlussfähigkeit herzustellen. Das Projekt ist Teil eines größeren bereits existierenden informellen Netzwerks, das im Rahmen des Berkeleyer Projekts Multilingual FrameNet entstanden ist, und welches den Abgleich der Frame- und Konstruktionsbestände mehrerer Sprachen anstrebt.

Das Projekt wird gefördert vom DAAD (Deutschland) und der CAPES (Brasilien) und läuft vom 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2019.

Projektleiter

 

 

 

letzte Änderung: 05.04.2018