„Eine große neue Chance“

Neuberufener Oliver Čulo stellt sich vor

Was sind die Forschungsschwerpunkte unserer Professoren? Was ist ihnen in der Lehre wichtig, und haben unsere Experten eigentlich auch Hobbys oder ein Lebensmotto? Im LUMAG stellt sich heute wieder einer unserer neuberufenen Professoren vor. Diesmal ist es Oliver Čulo vom Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie.

Herr Čulo, woher kommen Sie und was haben Sie studiert?

Oliver Čulo verbrachte sein PostDoc-Jahr in Berkeley.
Foto: Swen Reichhold

Ich bin gebürtig von der Grenze der ehemaligen Kurpfalz und fühle mich der südwestdeutschen Lebensart noch sehr verbunden. Meine Eltern stammen jedoch aus dem ehemaligen Jugoslawien. Ich habe Computerlinguistik – das heißt formale Sprachwissenschaft und Sprachtechnologie – studiert und in der Übersetzungswissenschaft promoviert.

Was waren Ihre wichtigsten beruflichen Stationen?

Begonnen habe ich eigentlich bei einem kleinen Dienstleister für Translationstechnologien in Saarbrücken, bin dann aber über eine Lehrvertretung ins Akademische reingerutscht. Danach war ich lange an der Universität Mainz in Germersheim. Am dortigen Fachbereich für Translationswissenschaft hat sich mein Blick auf Sprache und Kultur sehr geweitet, zuletzt war ich involviert in den Aufbau des Studiengangs „Digitale Methodik in Geistes- und Kulturwissenschaften“, was für mich wiederum sehr lehrreich war, gerade wegen des Kontakts zu anderen digitalen Anwendungsbereichen. In meinem PostDoc-Jahr in Berkeley hatte ich das außerordentliche Vergnügen, mit einigen meiner wissenschaftlichen Idole, wie Charles Fillmore oder Miriam Petruck, zusammenarbeiten zu können – sehr kenntnisreiche und zudem sehr sympathische Menschen.


Was sind die Dinge, die uns alle verbinden?

Viele wertvolle Erfahrungen habe ich aber auch bei anderen beruflichen Stationen gesammelt. Zum Beispiel habe ich mehrfach bei Jugendfreizeiten mitgewirkt, mit Jugendlichen aus teils schwierigen Verhältnissen, da wurde es auch mal (wenn auch relativ undramatisch) körperlich. Das hat meinen Blick auf meinen eigentlich privilegierten Platz in der Gesellschaft geschärft. Außerdem habe ich da, wie in meiner zeitweisen Funktion als Schwimmlehrer und Badeaufsicht, gelernt, klar zu führen und mich durchzusetzen.

Was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsgebiet? Was sind Ihre Schwerpunkte?

An der Translation fasziniert mich hauptsächlich die Frage, wie wir trotz der Sprach- und Kulturbarrieren in der Lage sind, erfolgreich miteinander zu kommunizieren und wie sich das Wesen des Sprach- und Kulturkontakts unter dem Eindruck der Digitalisierung verändert. Was sind die Dinge, die uns alle verbinden und wie wird unser Blick auf die Welt durch unseren Hintergrund geprägt? Das sind Fragen, die sicher auch durch meine persönliche Geschichte, den Migrationshintergrund, bedingt sind.

Haben Sie sich für Ihre Tätigkeit an der Universität Leipzig ein bestimmtes Forschungsziel gesetzt? Welches?

Zu verstehen, unter welchen Bedingungen digital vermittelte mehrsprachige Kommunikation gelingen kann.


Ich will versuchen, eine starke Dialogkultur im Unterricht zu entwickeln.

Können Sie uns kurz einige Schwerpunkte nennen, die Sie in der Lehre setzen wollen?

Ich will versuchen, eine starke Dialogkultur im Unterricht zu entwickeln. Viel gemeinsames Lesen und dann im Gespräch die verschiedenen Perspektiven auf das Gelesene herausarbeiten. Die Studierenden sollen sowohl lernen, relevante Informationen und Zusammenhänge zu erkennen, als auch ihre Standpunkte dazu plausibel zu formulieren und sie klar zu vertreten.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: „Die Universität Leipzig ist für mich…“

…eine große neue Chance!

Welche Hobbys haben Sie?

Im Moment weniger als mir lieb ist.

Haben Sie ein bestimmtes Lebensmotto, das Ihnen auch über schwierige Phasen hilft?

Fünfe auch mal gerade sein lassen, öfter mal zufrieden sein und einfach „danke“ sagen. Außerdem: Wir sind auf der Arbeit, nicht auf der Flucht.

Verraten Sie uns bitte noch Ihr Alter?

Ich bin gerade 37 Jahre alt geworden.

Die Fragen stellte Susann Huster.

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