M. A. Konferenzdolmetschen

Abschluss Master of Arts (M. A.)
Regelstudienzeit 4 Semester (inkl. Abschlussarbeit)
Studienumfang 3600 Zeitstunden (Präsenz- und Selbststudium)
Leistungspunkte 120 Leistungspunkte (Credit Points)
Aufnahme des Studiums zum Wintersemester

Studienvoraussetzungen

Bei dem Masterstudiengang Konferenzdolmetschen handelt es sich um einen anwendungsorientierten, konsekutiven Studiengang. Die allgemeine Qualifikation für das Studium wird durch einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss nachgewiesen. Ein translatorischer Hochschulabschluss ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Sollten die notwendigen Sprachkenntnisse ohne einen translatorischen Bachelor nachgewiesen werden können, besteht auch für Quereinsteiger die Möglichkeit zur Bewerbung.

Fachspezifische Zugangsvoraussetzungen sind:

  • Bestehen der Eignungsfeststellungsprüfung für den Masterstudiengang Konferenzdolmetschen,
  • Nachweis von Sprachkenntnissen für die gewählte erste B-Sprache (Sprachschwerpunkt) und die zweite B- Sprache bzw. C-Sprache (Wahlbereich Dolmetschen) entsprechend dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen Stufe C 1 oder einem äquivalenten Nachweis für eine der folgenden Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch.
    Der Nachweis der Sprachkenntnisse für die gewählte erste B-Sprache (Sprachschwerpunkt) ist mit der Anmeldung zur Eignungsfeststellungsprüfung zu erbringen. Der Nachweis für die Sprache im Wahlbereich Dolmetschen (zweite B-Sprache  bzw. C-Sprache) ist bei Studienbeginn vorzulegen.
    Die Basissprache (sog. A-Sprache) ist in der jeweiligen Sprachkombination immer Deutsch.
  • Nachweis der stimmlichen Eignung durch ein phoniatrisches Gutachten. Das Gutachten ist spätestens mit der Annahme des Studienplatzes beim Studentensekretariat der Universität Leipzig einzureichen.

Zulassungsbeschränkung: Das Bestehen der Eignungsfeststellungsprüfung und das Vorliegen eines positiven phoniatrischen Gutachtens sind Voraussetzung für eine Immatrikulation in den Masterstudiengang Konferenzdolmetschen an der Universität Leipzig.

Studieninhalte

Im Studiengang können zwei Arbeitsfremdsprachen studiert werden. Für den Kernbereich/Sprachschwerpunkt wird eine B-Sprache (Englisch, Französisch, Russisch oder Spanisch) festgelegt, die durch eine weitere B-Sprache oder eine C-Sprache ergänzt wird. Die B-Sprache, oftmals die „stärkere“ Sprache, ist die Sprache, aus der und in die gedolmetscht wird, die also als Ausgangs- und Zielsprache fungiert. Die C-Sprache zeichnet sich dadurch aus, dass aus ihr nur in die A-Sprache (Deutsch) gedolmetscht wird. Während diese formelle Einteilung die Dolmetschrichtung der Prüfungen am Ende des Studiums bestimmt, wird während des Studiums das Dolmetschen in beide Richtungen in der B- und C-Sprache trainiert. Auf Antrag an den Prüfungsausschuss des IALT können im Wahlbereich Module im Umfang von 30 Leistungspunkten zum Auf- oder Ausbau von Sprachkompetenz in einer weiteren Arbeitsfremdsprache, die nicht mit Dolmetschprofil angeboten wird, belegt werden. Dazu zählen neben den am IALT angebotenen Sprachen Katalanisch, Galicisch und Baskisch auch weitere Sprachen aus dem modularisierten Angebot des Sprachenzentrums der Universität Leipzig.

Durch den gezielten Ausbau der für das Dolmetschen benötigten Kompetenzen bereitet der Masterstudiengang die Studierenden auf eine professionelle Tätigkeit als DolmetscherInnen vor. Trainiert werden verschiedene Formen wie das Simultan-, Konsekutiv-, Verhandlungs- und Flüsterdolmetschen sowie das Dolmetschen vom Blatt. Außerdem ist eine Einführung in das juristische Dolmetschen im dritten Fachsemester ergänzender Bestandteil des Studiums. Zur Ausbildung zählen darüber hinaus Aufgaben wie das Übersetzen von Konferenztexten und die Vorbereitung von Dolmetscheinsätzen mithilfe moderner Recherchetechniken und elektronischer Arbeitsmittel.

Ziel des Studiums ist es, auf den Gebieten Dolmetschwissenschaft, Fachdolmetschen, Rhetorik, Dolmetschtechnologie, Fachkommunikation und Terminologie das erforderliche Methodenwissen und verschiedene dolmetschspezifische Fertigkeiten zu erwerben. Diese versetzen die Studierenden in die Lage, fachsprachliche Texte in der Ausgangssprache schnell und richtig zu verstehen und sie unter Wahrung des Inhalts und ihrer stilistischen Eigenschaften in sprachlich und rhetorisch angemessener Weise in die Zielsprache zu dolmetschen. Diese Kompetenzen sind auch in der DIN 2347 zum Konferenzdolmetschen dokumentiert.

Die technische Ausstattung am IALT ermöglicht es den Studierenden, in einer authentischen Umgebung verschiedene Dolmetschsettings kennenzulernen und zu trainieren. Dazu zählen die Dolmetschkabinen der Dolmetschtrainingsanlage (DTA) sowie eine tragbare Dolmetschanlage (Personenführungsanlage), das Studio mit Möglichkeiten zu Audio- und Videoaufnahmen der Verdolmetschungen und die Sprachlabore. Außerdem verfügt das Audimax über weitere Dolmetschkabinen, die ebenfalls von den Studierenden genutzt werden können.

Schwerpunkte im Studium liegen auf einer angemessenen sprachlichen Realisierung in der Zielsprache, dem korrekt übertragenen Inhalt und dem Üben von professionellem Auftreten und Haltung beim Dolmetschen,. Die Übungseinheiten werden durch die Dozierenden und die Studierenden selbst mit persönlichem Feedback ausgewertet. Durch eine in der Regel kleine Gruppengröße ist für eine intensive Betreuung und ein ideales Lernklima gesorgt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit unter den Studierenden zur Vorbereitung auf den Beruf. Diese zeigt sich sowohl beim Teamwork in der Dolmetschkabine als auch bei der Vorbereitung von Dolmetschübungen.

Im zweiten Fachsemester wird den Studierenden durch verschiedene Projekte mit Dolmetschbezug ein Einblick in die Berufswelt des Dolmetschens ermöglicht. Die Projekte unterscheiden sich je nach Sprache und beinhalten unter anderem das Dolmetschen in der Erwachsenenbildung bei den Internationalen Trainerkursen (ITK), die simultane Verdolmetschung einer Museumsführung oder die Organisation einer für Übungszwecke gestalteten Konferenz mit externen Rednern sowie Verdolmetschung. Auch verschiedene Theaterprojekte mit simultaner oder konsekutiver Verdolmetschung konnten in den vergangenen Jahren angeboten werden. Durch die Projekte besteht somit die Möglichkeit, andere Dolmetschformen, die im Studium nicht gelehrt werden, zu üben. Im Rahmen desselben Moduls wird ebenfalls das Ferndolmetschen, welches eine zunehmend wichtige Rolle in den Bereichen Community Interpreting und Gerichtsdolmetschen spielt, vorgestellt.

Über den bloßen Dolmetschunterricht hinaus werden am IALT verschiedene zusätzliche Aktivitäten auf freiwilliger Basis für die Studierenden angeboten. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, gelegentlich im Rahmen universitätsinterner Veranstaltungen zu dolmetschen. So können ebenfalls weitere Formen des Dolmetschens, wie das Medien- oder Ferndolmetschen, ausprobiert werden. Außerdem wird nach Möglichkeit einmal im Jahr ein Schauspielworkshop angeboten sowie eine Logopädin zum Stimmtraining eingeladen. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit der Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission (SCIC). Neben einer Studienreise nach Brüssel mit der Möglichkeit, dort in einer stummen Kabine zu dolmetschen und simulierte Aufnahmeprüfungen zu absolvieren, finden regelmäßig die Virtual Classes statt. Hierbei werden die Aufnahmeprüfungen für DolmetscherInnen bei der EU in einer Videokonferenz simuliert und die Leistungen der Studierenden gemeinsam ausgewertet. Eine weitere Einsatzmöglichkeit für die Studierenden ist das internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Dort können kurze Gespräche bilateral gedolmetscht werden.

Berufsrealitäten

Der Masterstudiengang Konferenzdolmetschen bereitet auf eine berufliche Tätigkeit als Dolmetscherin und Dolmetscher in verschiedenen Bereichen vor. Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind meist freiberuflich tätig oder arbeiten freiberuflich für spezielle Vermittlungsbüros. Neben den fachlichen Anforderungen ist für diesen Beruf ein ausreichendes Maß an Belastbarkeit und Mobilität notwendig. Weiterhin sind das Vermitteln von kulturell unterschiedlichen Denk-, Sprach- und Verhandlungsmustern, breite Kulturkenntnisse, Aufgeschlossenheit, Anpassungsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe und ein sicheres Auftreten Anforderungen an Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Eine Festeinstellung ist zum Beispiel bei Bundesministerien, -ämtern und -behörden, bei der EU und anderen internationalen Organisationen oder in Wirtschaftsunternehmen möglich. Auch im Bereich der Erwachsenenbildung und in Justizvollzugsanstalten gibt es Festanstellungen. Freiberufliche Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind neben Konferenzen auch häufig im rechtlichen (Gericht, Polizei), sozialen (Beratungsstellen, Ämter), medizinischen (Krankenhaus/Arztbesuch) oder kulturellen Bereich tätig. Dolmetscherinnen und Dolmetschern mit deutscher Muttersprache bieten sich häufig auch interessante Arbeitsmöglichkeiten im Ausland. Außerdem üben viele Dolmetscherinnen und Dolmetscher, gerade zu Beginn der Berufstätigkeit, auch unterschiedliche berufsbegleitende Tätigkeiten mit translatorischem Bezug aus. Dazu zählen unter anderem das Übersetzen oder Sprachunterricht. Auch Tätigkeiten wie das Projektmanagement können in den Aufgabenbereich von Dolmetscherinnen und Dolmetschern fallen.

Die verschiedenen Berufsverbände für Übersetzer und Dolmetscher (u.a. BDÜ, VKD, DVÜD, AIIC) sind von großer Bedeutung für die Interessenvertretung im Berufsstand und bieten ebenfalls speziell auf Studierende zugeschnittene Angebote an. Der VKD verfügt zum Beispiel über ein Nachwuchsprogramm, in dem erfahrenere Mentoren Absolventinnen und Absolventen beim Berufseinstieg unterstützen und im Rahmen des Berufsverbandes über einen Zeitraum von zwei Jahren zusammenarbeiten. Am IALT wird viel Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit diesen Berufsverbänden gelegt, und so werden zum Beispiel Vertreterinnen und Vertreter der Verbände zum zweijährlich stattfindenden Praxistag eingeladen, um ihre Arbeit vorzustellen.

Viele Dolmetscherinnen und Dolmetscher spezialisieren sich früher oder später auf ein oder mehrere Themengebiete. Die Einsatzmöglichkeiten können aber sehr breit gefächert sein, weswegen der Masterstudiengang Konferenzdolmetschen dieser Berufsrealität gerecht werden möchte. Deswegen decken auch die im Studium behandelten Themen ein breites Spektrum ab. So erlaubt das Modul Fachdolmetschen kleinere Einblicke in verschiedene Bereiche der Spezialisierung, wie zum Beispiel das juristische Dolmetschen. Die Fächervielfalt der Universität Leipzig bietet zudem angehenden Dolmetscherinnen und Dolmetschern hervorragende Möglichkeiten, sich außerhalb des Studiengangs näher mit den unterschiedlichsten Themenbereichen zu beschäftigen.

Oftmals unterscheiden sich die Anzahl der Arbeitssprachen und die Dolmetschrichtung je nach Arbeitgeber. So ist bei Ministerien und Bundesämtern generell eher eine sehr starke B-Sprache gefragt, wohingegen die EU-Institutionen auf den Ausbau möglichst vieler C-Sprachen setzen.

Eine internationale Umfrage zur Berufspraxis von Übersetzern und Dolmetschern finden Sie in dieser Publikation.
Einen kleinen Einblick in die Berufspraxis eines im politischen Bereich tätigen Simultandolmetschers finden Sie in diesem Artikel.
Einen Einblick in die Tätigkeiten einiger IALT-Absolventinnen und Absolventen erhalten Sie hier.

letzte Änderung: 24.07.2019