Translationstechnologien in Forschung und Praxis

Translationstechnologien in Forschung und Praxis

Veranstaltungsreihe ab 27. November 2017

Zeit: jeweils Montag, 17:15 bis 18:45 Uhr
Ort: GWZ Beethovenstraße 15, HS 2010

Die Geschichte der Digitalisierung der Translation beginnt noch vor der Institutionalisierung als Fach: Seit den 1950er Jahren wird weltweit an der Maschinellen Übersetzung geforscht, die Europäische Union führt diese bereits in den 1970ern in verschiedene Übersetzungsprozesse ein und heute ist ein Translationsstudiengang ohne den Einbezug von Technologie im Grunde undenkbar. Neben der Kerntechnologie der Maschinellen Übersetzung gibt es für die Praxis aber noch eine Reihe weiterer translationsrelevanter Technologien, z.B. Untertitelung, Softwarelokalisierung oder Stil- und Terminologieprüfung. In der Forschung werden zunehmend Techniken wie die Blickbewegungsmessung oder Tastaturprotokollierung angewandt. Und nicht zuletzt ist ein Gebiet der Translationsforschung die Frage, inwiefern der Einsatz von Technologien die Translation an sich beeinflusst. 

Die Referenten in der Reihe „Translationstechnologien in Forschung und Praxis“ stellen verschiedene translationsrelevante Technologien in Forschung und Praxis vor.

Referenten und Termine

Jean Nitzke
"Das hätte ich ohne MÜ aber schneller übersetzt". Methoden der Translationsprozessforschung und ihre Anwendung in der empirischen Post-Editing-Forschung
27. November 2017

Translations- und Post-Editing-Prozesse sind durch unsere subjektive Wahrnehmung geprägt. Diese ist zwar oftmals richtig, kann aber auch durch unsere persönlichen Einstellungen und Erwartungen verfälscht werden. Damit Prozesse korrekt abgebildet werden und wir ein bisschen besser verstehen können, was in den Köpfen der Übersetzer vor sich geht, bedient sich die Translationsprozessforschung verschiedener empirischer Methoden. Diese sollen im ersten Teil des Vortrags vorgestellt und diskutiert werden – mit besonderem Fokus auf Keylogging und Eye-Tracking. Im zweiten Teil wird hauptsächliche die Prozessforschung im Gebiet des Post-Editings thematisiert. Zum Schluss sollen bisherige Ergebnisse und zukünftige Forschungsthemen besprochen werden.

Wendy Fox
Integrierte Titel: Kreativität in Untertitelung und Forschung
4. Dezember 2017

Integrierte Titel, oder auch "integrated titles" oder "creative subtitling", stellen einen der gegenwärtigen Ansätze dar, Untertitelung nicht nur attraktiver, sondern auch zugänglicher zu gestalten. Mithilfe von Eyetracking- und EEG-Studien lässt sich außerdem zeigen, dass die individuelle Positionierung und Gestaltung von (Unter)Titeln die Informationsaufnahme und das Filmerlebnis deutlich verbessern. In diesem Vortrag wird auf die grafischen Aspekte und zugrunde liegenden Theorien eingegangen sowie auf die durchgeführten Studien im Zuge der Doktorarbeit der Referentin.

David Maß/Kristian Kamph
Professionelle Übertitel im Theater: Technologien und Entwicklungen
11. Dezember 2017
Übertitel sind die zeitlich präzise Darstellung von textlichen Übersetzungen des gesprochenen Worts über der Bühne in mindestens eine andere Sprache. Diese Übersetzungen ermöglichen ein Verständnis des Bühnengeschehens über Sprachbarrieren oder Höreinschränkungen hinweg.
Im Vortrag wird auf die technischen und konzeptionellen Unterschiede von Übertiteln im Theater oder in der Oper zu Untertiteln im Film eingegangen.
Stichpunkte: Zeitpunkt der Erstellung, Beschränkungen der Textlänge, Bewegungsradius der Augen, Reaktion auf spontane Ereignisse auf der Bühne, Abbildung von Mehrsprachigkeit, Veränderung des Sprechrhythmus, Anpassungen über den Verlauf mehrerer Vorstellungen.
Außerdem wird am Beispiel der Augmented Reality Brille eine mögliche Entwicklung der kommenden Jahre aufgezeigt.
Kristian Kamph, Lead Softwareentwickler und David Maß, Geschäftsführer der Berliner Firma PANTHEA berichten von den Herausforderungen bei der Erstellung von Übertiteln fürs Theater, von den Limitationen und Problemen, bisher eingesetzter Software und dem Weg, der zur Entwicklung einer eigenen Softwarelösung führte.
Im Anschluss an den Vortrag können die Augmented Reality Brillen ausprobiert werden.

Dr. Paul Schmidt
Translationssensible Autorenunterstützung
8. Januar 2018

Unter Autorenunterstützung versteht man Softwarewerkzeuge, die meist den technischen Redakteur beim Schreiben, genauer beim Einhalten der Redaktionsrichtlinien unterstützt. Dabei geht es um sprachliche Korrektheit, standardisierte Terminologie, stilistische Regeln. Da technische  Dokumentation multilingual zur Verfügung gestellt werden muss, gehört Autorenunterstützung zu der Klasse von Technologien, die für Übersetzer unmittelbar relevant sind, so wie Translation Memories oder Terminologieverwaltungssysteme. Die Thematik ‚Autorenunterstützung' berührt viele Aspekte, angefangen von kognitionswissenschaftlichen Erwägungen im Hinblick auf Verständlichkeit und Lesbarkeit bis zu spezielleren Fragen des Terminologieaufbaus und der terminologischen Konsistenz.Der Vortrag versucht, diese Aspekte zu beleuchten und die Verbindung zur Translationswissenschaft aufzuzeigen.

Alexander Kurch
Barrierefreie Kommunikation im technologischen Zeitalter
15. Januar 2018

Inhalte dieses Vortrags sind Formen der barrierefreien und audiovisuellen Kommunikation, darunter Audiodeskription, Live-Untertitelung, Schriftdolmetschen und Übersetzen in Leichte Sprache. Im Schwerpunkt erfolgt eine Vorstellung der Tätigkeit als Schriftdolmetscher. Im Bereich der Sprachtechnologie wird der Fokus auf Spracherkennung und Sprachsynthese mit Schwerpunkt Textproduktion liegen, aber auch auf weitere Technologien im Kontext von Transparenzschaffung für Workflows, Qualitätssicherung und Nutzerperspektiven, die mit dem Feld der AV-Übersetzung und technologiegestützten Übermittlung und Rezeption von (AV-)Texten verbunden sind.

Dr. Alexander Behrens
Softwarelokalisierung
22. Januar 2018

„Wir leben in expotentiellen Zeiten.“ - dieser häufig zitierte Satz klingt zeitgemäß, galt aber, wie wir an der Entwicklung von Stein zu Bronze und von Bronze zu Eisen sehen, schon für die Ur- und Frühgeschichte des Menschen. Und doch ist heute etwas anders. Das erste Mal ereignen sich gleich zwei Revolutionen, die Dritte und die Vierte industrielle Revolution, innerhalb eines Menschenlebens. Mehr noch: der Hauptgegenstand sprachmittlerischer Reflexion, die Information, steht diesmal selbst im Zentrum einer solchen Revolution. Vertreter translatorischer Disziplinen bekommen die Wucht dieser Entwicklung deswegen besonders deutlich zu spüren. In der Vorlesung soll am Beispiel der Textsorte User Interface gezeigt werden, welche fachlichen und sozialen Herausforderungen die digitale Revolution für das Humanübersetzen birgt.

Prof. Dr. Oliver Czulo

letzte Änderung: 15.11.2017