Leben und Werk der Translatoren - Stand und Perspektiven des Germersheimer Übersetzerlexikons

Leben und Werk der Translatoren - Stand und Perspektiven des Germersheimer Übersetzerlexikons

Gastvortrag von Professor Dr. Andreas F. Kelletat (FTSK Germersheim) am 25. Oktober 2017

Zeit: 25. Oktober 2017, 17:00 bis 18:30 Uhr
Ort: GWZ Beethovenstraße 15, H4 5.16

Es gibt Schriftsteller-Lexika, Philosophen-Lexika, Komponisten-Lexika, Künstler-Lexika, Schauspieler-Lexika, ein Lexikon der DDR-Sportler und für 348 Euro kann man sogar ein dreibändiges Germanisten-Lexikon erwerben. Ein Übersetzer-Lexikon indes existiert für den deutschen Sprachraum bisher nicht. Warum eigentlich nicht? Sind die Übersetzer wirklich so unbedeutend?
Die Literaturen der Welt kennen wir alle fast ausschließlich aus Übersetzungen. Denn wer schon dürfte von sich behaupten, alles oder zumindest vieles im jeweiligen Urtext lesen zu können? Das gut 3000 Jahre alte Gilgamesch-Epos oder die Hexameter-Gesänge Homers, die altfran­zösischen Ritterromane oder ihre mittelhochdeutschen Übersetzungen bzw. „Retextualisierungen“ (Bumke), die arabi­schen Erzählungen aus 1001 Nacht, Dantes Divina Comedia, die Romane von Cervantes, Laurence Sterne, Flaubert, Alexis Kivi, Dostojewski, Sien­kiewicz, Hamsun, Kosztolány, Mahfus, Mishima, Salman Rushdie, Sarama­go oder Orhan Pamuk?
Wem verdanken wir die Kenntnis dieser Texte? Zuallererst den Übersetzern. Und was wissen wir von ihnen? In seltenen Fällen merken wir uns die Namen, ausgenommen die von Dichter-Übersetzern wie Goethe, Voß, A.W.Schlegel, Rilke oder Celan. Unsere eklatante Wissenslücke im Bereich der Literatur- und Kulturgeschichte des Übersetzens soll im Laufe der nächsten 15 bis 20 Jahre das derzeit entstehende digitale und online frei zugängliche Germersheimer Übersetzerlexikon (www.uelex.de) schließen, in dem im Frühjahr 2015 die ersten „Übersetzerporträts“ samt (noch unvollständigen) Bibliographien veröffentlicht wurden. Es handelt sich um das erste deutsche Übersetzerlexikon überhaupt. Die mit ihm verbundene sehr aufwändige und nur in breiter interdisziplinärer und internationaler Kooperation zu bewältigende Forschungsarbeit wird für unser Wissen über die Geschichte des Übersetzens eine völlig neue Grundlage schaffen.
Wie die Entdeckung der Übersetzer (nicht nur literarischer Texte!) ganz konkret ins Werk gesetzt wird, welche Schwierigkeiten es dabei zu überwinden gilt, soll der Vortrag zeigen.

letzte Änderung: 18.10.2017